Nicht jede Modernisierung eines Verpackungsprozesses erfordert eine vollständig neue Anlage. Bei technisch bewährten Maschinen kann es wirtschaftlich und nachhaltig sein, vorhandenes Equipment gezielt zu automatisieren und an veränderte Produktionsanforderungen anzupassen.
Diesen Ansatz verfolgte der Additivhersteller Münzing gemeinsam mit GREIF-VELOX. Ein bestehender, manuell betriebener BVP-Packer wurde durch zusätzliche Komponenten zu einer weitgehend automatisierten Verpackungslinie erweitert.
Bestehender BVP-Packer gezielt erweitert
Ausgangspunkt des Projekts war ein vorhandener BVP-Packer zur Absackung von Wachsprodukten mit Additiven. Statt die Maschine vollständig zu ersetzen, wurde geprüft, wie sich der Verpackungsprozess durch ein gezieltes Retrofit automatisieren lässt.
Dafür wurde die Anlage um einen S1-Sackaufstecker und eine Sackförderstrecke ergänzt. Der Sackaufstecker übernimmt das automatische Zuführen und Aufstecken der leeren Säcke am Füllstutzen. Nach der Befüllung werden die Säcke über die Fördertechnik an die nachfolgenden Prozessschritte übergeben.
Die modernisierte Anlage wurde zudem in die vorhandene Produktionsinfrastruktur integriert. Bestehende Systeme für Fördertechnik, Palettierung und Kartonverpackung können dadurch weiterhin genutzt werden.
- Säcke pro Stunde bei 20 Kilogramm Sackgewicht
Die Verpackungslinie erreicht eine Leistung von 60 Säcken pro Stunde bei einem Sackgewicht von jeweils 20 Kilogramm. Verarbeitet werden Wachsprodukte mit Additiven.
Eine besondere technische Anforderung bestand im Explosionsschutz. Einige der zu verarbeitenden Produkte weisen eine sehr niedrige Mindestzündenergie von weniger als einem Millijoule auf. Die Anlage wurde deshalb in einer entsprechenden ATEX-Ausführung realisiert.
Neben der Verpackungsleistung standen die Prozesssicherheit und die zuverlässige Einbindung in die bestehende Produktionsumgebung im Mittelpunkt. Dafür mussten die neuen Komponenten mechanisch und steuerungstechnisch mit der vorhandenen Anlage abgestimmt werden.
Höherer Automatisierungsgrad und bessere Ergonomie
Durch die automatische Sackzuführung wird ein zuvor manueller Arbeitsschritt deutlich reduziert. Das entlastet das Bedienpersonal körperlich und unterstützt einen gleichmäßigen Verpackungsprozess.
Gleichzeitig steigt der Automatisierungsgrad, ohne dass Münzing die vorhandene Verpackungstechnik vollständig ersetzen musste. Der bestehende BVP-Packer bleibt ein zentraler Bestandteil der Linie und wird durch die neuen Komponenten gezielt ergänzt.
Das Projekt zeigt, wie sich vorhandene Verpackungsmaschinen durch die Kombination aus Retrofit, automatischer Sackhandhabung und Fördertechnik an neue Anforderungen anpassen lassen.
Wirtschaftliche Alternative zur kompletten Neuanlage
Gerade bei begrenzten Investitionsbudgets kann die Modernisierung bestehender Maschinen eine wirtschaftlich attraktive Alternative zu einer vollständigen Neuinvestition sein. Voraussetzung ist, dass der technische Zustand der vorhandenen Anlage eine weitere Nutzung ermöglicht und sich die gewünschten Erweiterungen sinnvoll integrieren lassen.
Ein Retrofit kann unter anderem automatische Sackaufstecker, zusätzliche Fördertechnik, neue Steuerungskomponenten, moderne Sicherheitstechnik oder die Anbindung an übergeordnete Produktionssysteme umfassen.
Bei geeigneten Voraussetzungen können Betreiber die Lebensdauer ihrer Maschinen verlängern, manuelle Tätigkeiten reduzieren und die Leistungsfähigkeit ihrer Verpackungsprozesse steigern. Gleichzeitig werden Ressourcen geschont, da wesentliche Teile der bestehenden Anlage weiterverwendet werden.
Erfolgreiche Abnahme beim Factory Acceptance Test
Vor der Auslieferung wurde die modernisierte Verpackungslösung im Rahmen eines Factory Acceptance Tests umfassend geprüft. Dabei standen die Funktionen der einzelnen Komponenten sowie ihr Zusammenspiel innerhalb der automatisierten Linie im Fokus.
Die erfolgreiche FAT-Abnahme bestätigte die geforderte Verpackungsleistung, die automatische Sackhandhabung und die Umsetzung der vorgesehenen Sicherheitsanforderungen.
Das gemeinsame Projekt von Münzing und GREIF-VELOX verdeutlicht, dass eine vollständig neue Verpackungsanlage nicht immer notwendig ist. Durch eine gezielte Modernisierung lässt sich bewährtes Equipment auf einen höheren Leistungs- und Automatisierungsstand bringen und langfristig weiter nutzen.